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Seit über 40 Jahren wird beim THC Westerkappeln Judo gekämpft. Im großen Film- und Musikgeschäft gibt es auf den zahlreichen Preisverleihungen immer eine Sonderehrung für das Lebenswerk eines Künstlers. Werner Härle und Heinz Wolfram vom THC Westerkappeln wollten keine große Bühne, dabei hätten die beiden Sportler sie verdient. Nach über 40 Jahren geben sie die Leitung der Judoabteilung des Vereins jetzt ab. Hannes Weiner übernimmt – der Generationswechsel ist vollzogen.

Von Christoph Pieper

„Ich weiß immer noch nicht, wie du mich damals überreden konntest“, erinnert sich THC-Vorsitzender Werner Schröer an das Jahr 1975, als Werner Härle ihm vorschlug, eine Judoabteilung in dem noch jungen Verein zu eröffnen. „Wir hatten eigentlich keinen Platz und erst recht kein Geld, aber davon hat Werner sich nicht abhalten lassen.“

Jede Woche musste Härle also mit einem kleinen Bulli nach Lengerich fahren, um dort eine Judomatte abzuholen und sie nach dem abendlichen Training wieder zurückzubringen – viel Idealismus. Das gilt auch für Heinz Wolfram, der seit der zweiten offiziellen Trainingseinheit dabei ist. Die beiden Judoka bauten ihre Abteilung akribisch Stück für Stück auf. Sie machten ihren Übungsleiterschein und kauften 1977 eine eigene große Matte „für 12 000 Mark“, wie die beiden sich erinnern.

Hannes Weiner (rechts) ist neuer Abteilungsleiter. Werner Härle (3. von links) und Heinz Wolfram (2. von rechts) haben über 40 Jahre die Verantwortung getragen. Ebenfalls auf dem Bild rechts: Trainer Michael Kinnert (links), Kassenwart Dieter Alt (Kassenwart) und Trainer André Witte (Mitte). Foto: Christoph PieperSo ging es stetig bergauf mit der Abteilung. Regelmäßig legten Kinder und Jugendliche ihre Gürtelprüfungen ab und nahmen an Wettkämpfen bis auf Bezirksebene teil. Mehr als 40 Jahre lang standen Härle und Wolfram jeden Montag, Mittwoch und Freitag in der Halle und gaben die Kunst der japanischen Kampfsportart weiter. Es sei daher so, und das hebt Werner Schröer in seiner kleinen Abschiedsrede hervor, dass jeder Judoka, der diesen Sport in Westerkappeln betrieben hat, von Härle und Wolfram ausgebildet wurde – eine beeindruckende Quote.

„Dabei haben sie immer ehrenamtlich gearbeitet“, sagt Schröer. „Es ist nie Geld geflossen und die beiden haben auch nie etwas verlangt. Das macht sie für unseren Verein so wertvoll.“ Mit nun 75 Jahren will Werner Härle die Leitung der Abteilung abgeben. Einen Nachfolger konnte der THC schon präsentieren. Hannes Weiner übernimmt ab sofort die sportliche Verantwortung. „Ich bin sehr froh, dass du es machst“, richtete Härle ein paar Worte an seinen Nachfolger, der, wie sollte es anders sein, auch von ihm ausgebildet wurde.

Mit der Übergabe an Weiner vollzieht der THC jetzt ganz bewusst einen Generationswechsel. Weiner ist 25 Jahre alt und war selbst einer der besten und erfolgreichsten Judoka in der Geschichte des THC. Er kennt den Verein und weiß ihn offensichtlich auch zu schätzen. „Wir freuen uns riesig, dass Hannes sich trotz anderer Angebote für uns entschieden hat“, zeigte sich Schröer begeistert.

„Aufgrund seines selbst noch jungen Alters und der gleichzeitig großen Erfahrung, die er hat, weiß er, wie er mit den Kindern und Jugendlichen im Training umgehen muss. Er hat außerdem viele Ideen und packt seine Aufgabe mit großer Motivation an.“


Weiner selbst möchte mit der Abteilung in Zukunft wieder öfter an Wettkämpfen teilnehmen und hält sich deshalb auch die Wochenenden so gut es geht frei. „Außerdem würde ich mich freuen, wenn der eine oder andere, der als Jugendlicher mit dem Judo aufgehört hat, einfach noch mal wiederkommt und sich die Lust am Sport zurückholt.“ Das Alter sei dabei egal. Ab dem 7. Lebensjahr kann jeder einsteigen und „für Judo ist man nie zu alt“, unterstrich Härle.

Trainiert wird jeden Mittwoch von 17.30 Uhr bis 18.30 Uhr hauptsächlich mit Anfängern, von 18.30 Uhr bis 20 Uhr kommen die Fortgeschrittenen. Wer dann größere sportliche Ambitionen hegt oder sich auf eine Gürtelprüfung vorbereiten will, kann auch das Training am Freitag von 19 Uhr bis 20.30 nutzen.

Ganz alleine steht Hannes Weiner mit der Abteilungsleitung übrigens nicht da. Unterstützt wird er im sportlichen Bereich von André Witte und Michael Kinnert. Um die finanziellen Belange wird sich weiterhin Dieter Alt kümmern, der selbst auch schon über 30 Jahre dabei ist.

Außerdem gibt es ja auch noch Werner Härle und Heinz Wolfram. „Hannes, wenn du anrufst bin ich da“, bot Härle seinem Nachfolger jede Hilfe an, was Heinz Wolfram zustimmend nicken ließ. Auf dem Papier gibt es also einen harten Übergang, in der Halle eher einen weichen. Klar ist, die Judoabteilung bleibt bestehen. Stark verjüngt und hochmotiviert.