So sieht doch alles ganz einfach aus!Die beiden THC-Langstreckler Sabine und Tom Heiber bereiten sich ja seit Monaten (mal mehr, mal weniger erfolgreich) für das Super-Brevet London-Edinburgh-London (L-E-L) vor, eine nur alle vier Jahre vom Audax UK durchgeführte Veranstaltung. Hier kommen Radler aus 50 Nationen weltweit zusammen, um in weniger als 116 Stunden die Strecke von London nach Edinburgh und zurück (1.430 km) mit dem Rad zu absolvieren.
Ein wenig verrückt und leidensfähig muss man dazu sowieso schon sein, aber wie bitte trainiert man dann auch noch gezielt dafür???

Die normal gängige Trainingslehre versagt hier schnell gute Antworten. Ein ausgewogenes Basistraining schadet sicher nicht, lange Grundlageneinheiten sicher auch nicht. Aber wie trainiere ich „wettkampfspezifisch“?
Da gibt die Trainingslehre nicht mehr allzu viel her. Gängige Praxis unter Langstrecklern ist es, im Vorlauf zum Hauptevent verschieden lange Brevets (so heißen die Langstrecken-Events) zu absolvieren; in der Regel in aufsteigender Folge 200km, 300km, 400km und 600km. So war auch der Plan für Sabine und Tom, aber bedingt durch Krankheiten, „sonstige Verpflichtungen“, Terminüberschneidungen u.a. mussten diverse Versuche aufgegeben werden, an organisierten Brevets teilzunehmen. Aus der Not wurde so der Plan geboren, „dann halt auf eigene Faust mal eben 600km zu radeln“.

Sabine am kleinen Anstieg im „Berg- und Kanzlerdorf“Letzten Samstag früh um 5.00 Uhr ging es los Richtung Bielefeld, um über Oerlinghausen das Heimatdorf unseres Ex-Kanzlers Gerhard Schröder anzusteuern, das Bergdorf Talle. Weiter ging es kreuz und quer durch Kalletal und Extertal; ein traumhaftes Radparadies quasi direkt vor unserer Haustür.
Ein defekter Umwerfer an Sabine's Rad brachte eine ungeplante Trainingseinheit in Sachen „Improvisation und Flexibilität“. Dank Telefonsupport von Frank Denzol konnte die Weiterfahrt durch eine Notreparatur mit reduziertem Getriebe gesichert werden.
Weiter Richtung Süden ging es dann bis Kilometer 220 nach Wennigsen am Deister, wo gegen 17:30 Uhr dank Sabine's lieber Arbeitskollegin eine warme Kohlenhydratportion auf die THCler wartete.Stärkung in Wennigsen am Deister. Kohlehydrate müssen sein!!
Frisch gestärkt ging es weiter Richtung „Steinhuder Meer“ und gegen 20:30 Uhr wurde dann die Weser bei Schlüsselburg gequert. In die (glücklicherweise laue und helle) Nacht hinein ging es weiter Richtung Westen, wo in Lübbecke im „goldenen M“ die etwas weniger gesunde Nachtmahlzeit eingenommen wurde. Tom auf der Weserbrücke bei SchlüsselburgAls letzte kleine Barriere vor Zuhause war nach etwa 19 Stunden im Sattel noch der „Hustedter Pass“ östlich von Bad Essen zu erklimmen, bevor gegen 2:30 Uhr die Heimat wieder erreicht war.
Hier wartete nun die wichtigste Trainingseinheit des Wochenendes: binnen drei Stunden wieder „gut erholt und frisch abfahrbereit sein“, denn das dürften etwa die Nächte wie bei L-E-L werden. Gesagt, getan: mit etwa 15 Minuten Verspätung um 5:45 Uhr saßen wir wieder auf dem Bock. Sabine hatte wegen des Defektes schnell „das Pferd gewechselt“ und saß nun auf dem normalen Renner. Taufrisch ging es dann immer schön flach Richtung Nordwest bis nach Sögel, wo es ein schönes Rathaus und eine sehr, sehr liebe Mitarbeiterin in einer Pizzeria gibt. Weitere gute Argumente erneut dahin zu radeln sind jedoch rar.
Sabine u. Tom vor dem Rathaus in SögelLag es nur an der doch bestehenden Müdigkeit oder auch an der detailarmen Umgebung, spätestens ab Fürstenau (430 km in den Beinen) war der Weg zum nördlichsten Punkt der Tour doch etwas zäh. Gestärkt und mit der Zuversicht, nur noch etwa 110 km machen zu müssen ging es nun auf Ankum (550 km) zu, wo wir als Höhepunkt des Wochenendes noch den Festumzug der Schützenbrüder miterleben durften.
Der Rest ist schnell erzählt: Achmer, Hollage und nach Hause.... Falsch: eine erste Hochrechnung ergab, dass so „nur 594 km“ zusammengekommen wären; also weiter über Atter bis Hasbergen, um dann mit exakt 600,1 km gegen 17:30 Uhr mal wieder in Osnabrück zu sein.
Ab jetzt war es aber ganz einfach: schnell duschen, die erste Runde Schlaf auf dem Sofa, nach Erwachen schnell noch eine Mahlzeit einwerfen und schwups war das Wochenende schon um.
Fazit: einfach mal ein ganzes Wochenende zu radeln ist schon ein besonderes Erlebnis und zwei Stunden Schlaf reichen vollkommen!