Der Startschuss durch den Bürgermeister Oliver Franz ist gefallen Äußerungen dieser Art hörte man von den Finishern nach dem Zieleinlauf beim Radmarathon „Alb-Extrem“ in Ottenbach, u.a. auch von den „Südschweden“.
Am letzten Juniwochenende war der kleine Ort auf der Schwäbischen Alb wieder das Mekka für Radsportler. Der „Alb-Extrem“ ist einer der größten Breitensportveranstaltungen im Radsport in Deutschland. Er ist in etwa zu vergleichen mit dem „Rhön-Radmarathon“ in Bimbach, nur etwas schwerer!

Der „Alb-Extrem“, eine zackige Angelegenheit„Alb-Extrem“, der Name ist Programm:
„Alb“ steht für die Region Schwäbische Alb und „Extrem“ für den Schwierigkeitsgrad.
Das meinte auch die „Südschwedin“ Gudrun Kamp aus Eicklingen: „Verdammt hart, aber das wollen wir doch auch. Es heißt doch auch „Alb-Extrem“ und nicht „Alb-Moderat“. Flach fahren können wir auch in meiner Heimat rund um Celle.“
Dieser Meinung schloss sich auch der THCler Friedel Meyer an, der wieder 48 „Südschweden“ an den Start gebracht hatte, u.a. auch seine Sportkameraden Ralf Kaminski und Thorsten Ortmann.

Ralf Kaminski (r) und Friedel Meyer mit dem 1. Vorsitzenden Berthold SeiboldPünktlich um 05:30 Uhr fiel der Startschuss und ca. 3.100 Radsportler gingen auf eine der angebotenen Strecken „Classic“ (177km/3.200hm), „Midsize“ (250km/4.600hm) oder „Traufkönig“ (313km/6.000hm).
Lt. Friedel, der aufgrund vieler Teilnahmen über ausreichend Erfahrung verfügt, macht es bei der Tour Sinn, sich realistische Ziele zu setzen und eine gute Taktik zu wählen.
Thorsten, der sich erstmalig so eine lange Tour vorgenommen hatte, wollte die 250er-Schleife gemeinsam mit seinem Freund Daniel Meinert (Osnabrück) bewältigen. Ralf wollte bei gutem Verlauf den „Traufkönig“ anpeilen. Friedel hatte sich die Formel „früh starten / spät ins Ziel kommen = Genussradeln“ zurechtgelegt.

Das Wetter meinte es gut mit den Sportlern, bereits beim Start war „kurz/kurz“ angesagt und während der Tour war es „heiter bei max. 27°“. Beste Voraussetzungen also, um auch die vielen schweren Anstiege zu meistern. Und davon gibt es auf der Alb genug. Sofort nach dem Start ging es hoch nach Hohenstaufen, ein 15%-iger Anstieg sorgte gleich für eine gewisse Selektion und Bildung von Gruppen. Weiter ging es auf der Nordschleife ins „Haselbachtal“ und dann hoch nach Wetzgau (18%). Spätestens hier war jeder Radler froh, richtig gekettet zu haben. Mit einer Übersetzung von 34/23 hätten sich die meisten Radler schon verabschieden können, denn es kam noch besser.
Nach 68 Kilometern die erste Verpflegungsstelle in Waldstetten. Hier war auch für viele Radler der Treffpunkt mit Sportkameraden, um gemeinsam mit ihnen weiterzuradeln. So auch für Friedel, der ab hier die restlichen Kilometer mit seinem Radsportfreund Christopher Kielbassa aus Bad Dürkheim anging.
Bei Kilometer 77 kam dann der „Scharfrichter“ der Tour. Es ging auf 2,6 Kilometern sprichwörtlich ins „Himmelreich“. 210 Höhenmeter (Ø 8,1%) waren zu überwinden, mit Spitzenwerten von über 18 Prozent. Auf dem anspruchsvollen Teilabschnitt waren schon die ersten „Wanderer“ zu sehen. Nicht so die THCler, die sich mit einem entsprechenden Training gut vorbereitet hatten.

Nach 105 Kilometern erreichte man in Böhmenkirch die zweite Verpflegungsstelle. Gut verpflegen und Wasser auftanken war angesagt. Danach ging es rasant ins „Roggental“ und sofort wieder hoch über die „Waldhauser Steige“ auf die Albhochfläche. Auf den folgenden 80 Kilometern war der starke Westwind ein ständiger und unangenehmer Begleiter der Radler. Wer hier nicht geschickt fuhr und in Gruppen „mitschwamm“, der vergeudete unnötig viel Kraft, was sich bei den noch folgenden Anstiegen rächen sollte.
Die „Südschweden“ Christopher Kielbasse (l.), Hans-Joachim Ilse, Friedel Meyer u. Claus Sprengelmeyer an der 3. Labe „Hofstett-Emerbuch“Was kann bei der Versorgung noch schiefgehen!Die „Labe Hofstett-Emerbuch“ kam nach 138 Kilometern genau passend. Heiße Brühe und der legendäre Nusskuchen werden jedem Teilnehmer in Erinnerung bleiben.
Die „Südschweden“ waren nicht nur physisch gut vorbereitet, so hatte u.a. Frank Kratz aus Wolfsburg die von Friedel erstellte Marschtabelle verfeinert und um die Ankunfts- und Abfahrtszeiten bei den Verpflegungsstellen ergänzt. Auf einen Blick konnten die Radler erkennen, wie sie in der Zeit lagen. Da war es für Friedel an der fünften Verpflegungsstelle in Bad Ditzenbach eine leichte Entscheidung, sich gemäß seinem Ziel bei einem Zeitvorsprung von rd. 60 Minuten eine ausgiebige Massage zu gönnen.
Daniel Meinert, Thorsten Ortmann u. Friedel Meyer an der letzten Verpflegung in StöttenDer letzte Anstieg hoch zum „Birkhof“Jetzt konnten selbst der legendäre „Hexensattel (15%)“, die „Stöttener Steige (17%)“ und der letzte Anstieg hoch zum „Birkhof (12%)“ den Tageserfolg nicht mehr verhindern.
Die zwei Kilometer lange Abfahrt nach Ottenbach wurde für jeden Teilnehmer zum Genuss. Die Zieleinfahrt bei Musik und unter dem Beifall der vielen Fans ließen die Strapazen vergessen.So sehen Sieger aus, Hartmut Bütepage (l.), Gerhard Bietz, Andreas Kamp, Friedel Meyer, Gudrun Kamp und Christopher Kielbassa nach dem Zieleinlauf

Nach einer kleinen Stärkung und einem „stromfreien Weizen“ war auf dem Festzelt eine gewisse Anspannung bei allen Teilnehmern zu spüren. Die Siegerehrung in der Gruppenwertung stand an. Als beim Aufruf des 2. Platzes der Name der „Südschweden“ nicht fiel, stand das Ergebnis fest und Applaus brandete auf. Die „Südschweden“ hatten mit 46 Finishern, unter ihnen auch die drei THCler, den 1. Platz erreicht, und das jetzt bereits zum 8. Mal!
Eine großartige Leistung, für die Friedel als Organisator der „Südschweden“ einen „Bembel“ erhielt.Alle Strapazen sind vergessen! Die THCler Thorsten Ortmann (r.) und Friedel Meyer nach der Siegerehrung
Die Zukunft der Aktion „Die Südschweden“ steht noch in den Sternen. Friedel hat sie jetzt achtzehnmal betreut und seinen Rückzug erklärt. Alle Teammitglieder erklärten übereinstimmend: „Die Südschweden dürfen nicht sterben!“ Ob das gelingt hängt davon ab, ob die angedachte und eingeleitete Nachfolgeregelung erfolgreich verläuft.