Das erste Ziel ist erreicht,Tom ist auf der Insel angekommenUnter diesem Motto stand Ende Juli die Teilnahme von Sabine und Tom Heiber am Langstreckenevent „London-Edinburgh-London“. Sabine musste ja schon im Vorfeld verletzungsbedingt den Startplatz zurückgeben und hatte sich entschieden, dem Veranstalter als „volunteer“ zu helfen und damit dieses immense Event zu stemmen. Somit war Tom urplötzlich mit der Situation konfrontiert, eine Strategie nur für sich selbst zu entwickeln und sich innerhalb von drei Tagen gedanklich neu auszurichten, erschwert durch die Tatsache, dass sich Sabine's Einsatzort (hier sollte natürlich Material vorgehalten werden) mehrmals täglich änderte. Am Tag vor der Abreise stand es dann fest, ist ja vollkommen hinreichend für 5 Tage Fahr-, Schlaf- und Kleidungswechselstrategien! id="system-readmore" Immerhin gestaltete sich die Anreise problemfrei. Über Antwerpen, Brügge und Calais ging es per Fähre nach Dover und von da aus nach Loughton, einem Vorort von London, wo am Samstag knapp 1.500 Teilnehmer aus mehr als 60 Nationen registriert wurden und Ihre Startunterlagen in Empfang nehmen konnten. Sabine lernte Mithelfer und Fahrgelegenheit nach Schottland zu Ihrem Einsatzort kennen.

Die Wettervorhersage lautete „viel Wind, wechselhaft, immer wieder Regen“, also all das, was man von einer Reise nach Großbritannien erwarten darf.
Das Ziel lautete: in weniger als 117 Stunden sicher wieder im Ziel in London anzukommen. Sonntag um 12:30h fiel der Startschuss für Tom und er ging auf die Strecke: 1.440km mit 18 Kontrollen. Die Kontrollstelle „Moffat“Die ersten Kilometer liefen für Tom zügig, angetrieben durch böigen Südwestwind ging es mit einer Gruppe von etwa 20 Radlern Richtung Norden, während Sabine bereits mit anderen „volunteers“ in einen 20 Jahre alten Volvo auf dem Weg nach Schottland war, um dort eine Kontrolle vorzubereiten.
Die Kontrolle in Moffat, für die Radler etwa bei KM 540, wurde nach 6-stündiger Autofahrt erreicht. Da die ersten Fahrer bereits in der Nacht auf Montag gegen 3:00h erwartet wurden hieß es deshalb für Sabine als Erstes: „Please prepare the airbeds“…und so wurden binnen kurzer Zeit von den Helfern 250 große Luftmatratzen vorbereitet, um den müden Fahrern die Möglichkeit zu einem kurzen Schlaf bieten zu können.Es ist angerichtet, die Radler/Innen können kommenAußerdem wurden die Tabellen vorbereitet, mit denen diese 250 Betten organisiert werden sollten, denn für jedes Bett und jeden Fahrer musste stets abrufbar sein:
Frei oder Belegt? Wenn belegt, wie lange? Wann möchte der Fahrer/die Fahrerin wieder geweckt werden?
Wie man sich das vorstellen kann, ging das nicht ganz ohne Fehler über die Bühne. Leider wurden zwei Fahrer zu einer falschen Uhrzeit geweckt!!
Weitere Details einer einzigen Kontrolle:
Es galt Porridge, Eier, Toast vorzubereiten. Das Küchenteam hat insgesamt 220 kg Hackfleisch zu Nudelsoße verarbeitet, es wurden über 100 Bleche Kuchen an die hungrigen Radfahrer ausgegeben. Innerhalb von 40 Std. wurden 400 l Apfelsaft, 800 Tassen Kaffee oder Tee und mehr als 1.000 l Wasser ausgegeben.
Und das sind die Zahlen für eine einzige Kontrolle, insgesamt steuerte jeder erfolgreiche Fahrer 18 Kontrollen an, die alle in etwa gleiche Mengen verarbeiten mussten.Alles will geplant sein, und doch gibt es mal PannenWährenddessen war Tom auf dem Weg in den ersten Sonnenuntergang Richtung Norden noch immer zügig unterwegs, aber irgendetwas stimmte nicht. Es wollte keine rechte Freude an der Bewegung aufkommen, objektive Leistung und gefühlte Anstrengung stand in keinem gesunden Verhältnis und so schleppte er sich mühsam einige kleine typisch britische steile Hügel zur Kontrolle in Louth (244 km). Völlig ermattet musste die mühsam erarbeitete Strategie umgeworfen werden, ein kurzer power-nap muss her, sonst geht gar nichts mehr. Nach 3h schlechtem Schlaf dann die böse Überraschung; völlig überwärmt und kaum Kraft aufzustehen, sollte eine zweite Schlafphase (diesmal 4h) ein wenig Energie zurückbringen. Aber leider keine Änderung: Aus der Traum!
Trotz 10.000 Trainingskilometern in den Beinen bekam er „kaum 5 Watt“ auf die Kurbel und musste mit Fieber und Übelkeit abbrechen. Eine schwere- doch leider in dieser Situation alternativlose – Entscheidung.Ohne jede Chance die Fahrt fortzusetzen organisierte er sich eine Bahnfahrt nach Moffat zu Sabine, wo er nach 15h fiebrigem Kampf-Schlaf zumindest wieder stehen konnte. Um die ungewollt frei gewordene Zeit zwischen mittlerweile Dienstag und (so war es geplant) Freitag zu überbrücken, stieg er nun ebenfalls als freiwilliger Helfer ein.
Für Sabine und Tom ging es dann mit dem Bus weiter nach Eskdalemuir, einem kleinen Dorf in den schottischen Highlands, wo alle Fahrer bei etwa KM 800 erneut versorgt werden wollten.
Sabine, Tom und alle anderen freiwilligen Helfer begrüßten jeden Fahrer mit einem „Wellcome in Eskdalemuir, how are you!?“ und fast immer bekamen sie ein „oh, I´m fine! It is very hard but it is fantatstic“ zu hören.
Essen, trinken und schlafen sind das eine, einige nette aufmunternde Worte waren aber nun für die allesamt schon fast 3 Tage kämpfenden Radler mindestens so wichtig. Die Dankbarkeit der müden Krieger war ein reicher Lohn für die manchmal wirklich harte Arbeit, manchmal blieb sogar Zeit für ein Erinnerungsbild. Sabine und der nette „kleine Italiener“

Nach 4 Tagen waren Sabine und Tom mit dem Zug wieder zurück in London, um in der Nacht auf Freitag um 3:00h ihren Freund Andrew im Ziel begrüßen zu können! Viele Freiwillige hatten ähnlich wenig Schlaf wie die Fahrer bekommen, doch alle waren sich einig: Ein unglaubliches Event – egal ob als Fahrer oder als Helfer – mit tollen Menschen und Momenten!
…und auch wenn alles ganz anders kam als geplant, war L-E-L für Sabine und Tom eine tolle Erfahrung und es gab einzigartige Momente und Begegnungen inmitten der schottischen Einsamkeit. Und das ist deutlich „mehr als nichts“, schade um die fehlende Erinnerung als Radler, aber Danke für die tolle Erfahrung als „volunteer“.
Und das Beste: Durch Ihren Einsatz haben die beiden schon jetzt einen Startplatz für 2021 garantiert, wenn es dann hoffentlich heißt „THC goes L-E-L / die Dritte und Erfolgreiche“