2.500 Radsportler warten auf den Startschuss„Grimsel – 2.165 m“, „Furka – 2.431 m“, „Nufenen – 2.478 m“, „St. Gotthard – 2.109 m“, „Lucmanier – 1.972 m“, „Oberalp - 2.309 m“ und „Susten – 2.224 m), dass sind Namen und Daten bekannter Pässe in der Schweiz, bei dem jedes Radsportlerherz sofort höher schlägt. Diese Pässe sind beim Radmarathon „Alpenbrevet“ zu bewältigen, und zwar in unterschiedlicher Kombination und in Abhängigkeit der gewählten Tour.
Die Teilnehmer können sich für die „Platintour“ (5 Pässe; 276 Kilometer; 7.031 Höhenmeter), „Goldtour“ (4 Pässe; 172 KM; 5.294 HM) oder „Silbertour“ (3 Pässe; 132 KM; 3.875 HM) entscheiden.
Der THCler Jürgen Rottmann war schon dreimal in Meiringen im Berner Oberland, dem Startort des Radmarathons. In diesem Jahr konnte er auch seine Sportkameraden Ralf Kaminski und Markus Kröner zu einer Teilnahme motivieren. Mit dabei war auch der Radsportfreund Martin Hansjürgens aus Ibbenbüren.


Um sich zu akklimatisieren reisten die Radler bereits am Donnerstag an. Der Freitag wurde zu einer kleinen „Einrollrunde“ genutzt. Man fuhr den „Sustenpass“ an, allerdings äußerst locker und nur bis zum „Steingletscher“, um dort auf einer Höhe von 1.865 m bei Kaffee und Apfelstrudel den Blick auf die Bergwelt zu genießen.
Nach der Rückkehr wurden die Startunterlagen abgeholt und die Nervosität stieg langsam an. Mehrfach wurden die wichtigsten Dinge kontrolliert; Räder in Ordnung? Verpflegung vollständig? Bekleidung zurechtgelegt?
Dann endlich war es soweit, Samstag um 04:30 Uhr klingelte der Wecker und die Jungs trafen die letzten Vorbereitungen. Pünktlich um 06:45 Uhr wurden 2.500 Radler vom Starter auf die Strecke geschickt, bei herrlichem Sonnenaufgang und dem Beifall vieler Zuschauer.

Ralf Kaminski (l) und Jürgen Rottmann im Anstieg zum „Grimselpass“Im Vorfeld hatten sich die Radler natürlich eine Strategie zurechtgelegt.
Ralf und Jürgen wollten die „Goldtour“ angehen. Aber bereits im ersten Anstieg zum „Grimsel“ schwenkte Jürgen um. Er hatte erst kurz vor der Tour eine hartnäckige Erkältung überstanden und kannte ja die vor ihm liegenden Hindernisse. Er entschied sich für die „Silbertour“, fuhr in Gletsch in den „Furkapass“ und weiter ging es über Andermatt nach Wassen und damit in den Einstieg zum „Meiental“. Der folgende „Sustenpass“ war für alle Teilnehmer der letzte Anstieg (18 km), der aber mit einer Durchschnittssteigung von rd. 7,3 Prozent recht knackig ist. Hinzu kam die Hitze mit Werten von über 30 Grad. Kein Wunder das bei diesen Bedingungen und den schon zurückgelegten Kilometern/Höhenmeter von den Teilnehmern Worte fielen, die hier nicht genannt werden sollen.
Auf dem Pass gab es dann bei angenehm kühlendem Wind die letzte Verpflegung, bevor die Teilnehmer eine lange Abfahrt nach Innertkirchen genießen konnten.
Jürgen war danach bereits ca. 15:00 Uhr im Ziel und konnte relaxen und auf seine Radsportfreunde warten.

Ralf bewältigte die „Goldtour“ ohne große Schwierigkeiten. Er teilte sich die Kräfte gut ein und wurde auch durch den „Nufenen“ (max. 12%) nicht aus dem Tritt gebracht. Schwierig zu fahren war lediglich der „St. Gotthard“, der viele Teilstücke mit Kopfsteinplaster hatte. Für die Anstrengungen wurde er belohnt durch herrliche Ausblicke auf die Gipfel der „Alpi Lepontine“.

Markus Kröner hat seinen ersten Pass bezwungen. Ein Selfie muss sein!Für Markus stand von vornherein fest, dass er „Silber“ fährt. Er ist erst seit diesem Jahr so richtig aktiv in der Radsportabteilung des THC und hatte noch keine Pässe gefahren. Es sollte für ihn ein positives Erlebnis und damit eine Grundlage für weitere Touren dieser Art werden. Die Vorbereitung von ihm war recht professionell: Leistungsdiagnostik in Bad Rothenfelde; gezielte Trainingseinheiten im bergigen Terrain (u.a. Toskana) und etliche Radtourenfahrten mit seinen Radsportfreunden in der näheren Umgebung.
Sein Resümee nach der Abfahrt vom „Sustenpass“ und dem Zieleinlauf: „Eine verdammt harte und schweißtreibende Angelegenheit, vor allem bei den Temperaturen. Aber es hat sich gelohnt und war nicht das letzte Event dieser Art. Nach der Tour ist vor der Tour, ich bleibe am Ball bzw. auf dem Rad!“

Martin schoss leistungsmäßig im Quartett den Vogel ab. Er fuhr die „Platintour“ und musste dabei auch auf die Zeit im Auge behalten. Um 11:45 Uhr wurde in Airolo, in der italienischen Schweiz die Streckeneinfahrt in den südlichen Teil geschlossen. Somit blieb ihm an den Verpflegungsstationen auf dem „Grimsel- und Nufenenpass“ nicht viel Zeit für touristische Ausblicke. Er schaffte die Tour in einer hervorragenden Zeit von 13:47 Std. und war knapp vor dem Zielschluss in Meiringen. Hier wurde er von den schon leicht erholten THClern mit Applaus in Empfang genommen.Die THCler Jürgen Rottmann, Markus Kröner, Ralf Kaminski u. der Ibbenbürener Martin Hansjürgens (v.l.) im gewählten Finishertrikot

Der Abend verlief aus verständlichen Gründen ruhig: Speicher auffüllen und die Freude über die erbrachte Leistung genießen.
Am Sonntag hatten die Jungs aber schon wieder Lust auf eine kleine „Lockerungsrunde“. Es ging bis nach Interlaken am „Brienzer See“, natürlich alles flach. Im Strandcafé genoss man Cappuccino und Kuchen und fachsimpelte noch lange über den „Alpenbrevet 2017“.Die Anstrengungen sind gut verdaut, der Kuchen noch nicht.
Alle waren sich einig, dass nach der Tour auch im nächsten Jahr die Alpen wieder angesteuert werden.