IMG 1330Schon seit 2015 ist das Thema „sexualisierte Gewalt im Sport“ auch Thema beim THC Westerkappeln. Seitdem ist jede/r Übungsleiter/in, der/die im Kinder- und Jugendbereich arbeitet, verpflichtet, ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen. Ebenfalls ist es selbstverständlich, dass sich jeder Trainer und jede Trainerin an den Ehrenkodex hält.

IMG 1327Um neuen Übungsleitern und Übungsleiterinnen diese Grundsätze an die Hand zu geben und anderen diese wieder in Erinnerung zu bringen, veranstaltete der THC am vergangenen Samstag eine Vereinsberatung mit Unterstützung von Anne Hölscher vom Kreissportbund Steinfurt. Rund 25 Übungsleiter/innen aus allen Sparten waren der Einladung gefolgt. Bei Kaffee und Brötchen wurden rund drei Stunden die unterschiedlichsten Sachzusammenhänge und Informationen zum Thema „sexualisierte Gewalt im Sport“ aufgearbeitet. Neben der kompetenten Ausführung der Referentin wurden auch die anwesenden Übungsleitenden zur Mitarbeit aufgefordert. Dabei stand vor allem die wichtigste Frage im Raum: „Wann spricht man überhaupt von einer Grenzüberschreitung?“ In der Risikoanalyse ging es um Fragen wie: „gibt es im eigenen Trainings- oder Vereinsalltag Situationen, die ein gewisses Risiko für Grenzverletzungen und/oder Übergriffe bergen? Und gibt es Lösungsvorschläge oder Ideen dazu?“ In der aktiven Gruppenarbeit wurden diverse Anregungen für die Umsetzung zusammengetragen und diskutiert. Auch der Vorstand des THC Westerkappeln war dabei, hörte sich die Anliegen und Sorgen der Anwesenden an und versprach, dieses Thema weiterhin als einen wichtigen Bestandteil der Vereinsarbeit anzusehen.

„Kein Platz für sexualisierte Gewalt“

IMG 1332Seit nunmehr fünf Jahren gilt dieser Slogan beim THC Westerkappeln e.V. für alle Vereinsmitglieder als eine Selbstverständlichkeit. Jede/r Übungsleiter/in muss zu Beginn der Tätigkeit den Ehrenkodex des THC Westerkappeln als für sich verbindlich anerkennen und unterschreiben. Dieser beinhaltet, dass die persönlichen Empfindungen der Kinder und Jugendlichen stets Vorrang vor den persönlichen Wünschen des Vereins haben, junge Menschen in ihrer Selbstverwirklichung gefördert und unterstützt werden und deren Unversehrtheit und Intimsphäre in höchstem Maße geachtet wird. Zudem muss jeder Übungsleitende ein polizeiliches Führungszeugnis anfordern und dieses der Kinderschutzbeauftragten Marlies Schubert-Kiesewetter zur Einsichtnahme bereitstellen. „Nur so können wir Sorge dafür tragen, dass bereits auffällig gewordene Menschen keine Verantwortu
ng über Heranwachsende bekommen“, so Schubert-Kiesewetter.

Doch auch anderen Risiken will der THC Westerkappeln e.V. vorbeugen. Dazu zählen vor allem unbewusste Übergriffe, die für den Handelnden vielleicht gar keine Übergriffe sind, sondern eher zur Normalität gehören. Doch wer kann schon einschätzen, ob etwas wirklich „normal“ ist, wann weiß jemand, ob ein Kind in den Arm genommen werden möchte, weil es sich verletzt hat, woher soll ein Übungsleitender wissen, dass für manche Kinder das lobende Streicheln über den Kopf eine Grenze überschreitet. Diesbezügliche Ängste und Sorgen äußern vor allem junge Übungsleitende, die sich fragen, ob schon ein solches Verhalten bei manchen Kindern ein Unwohlsein hervorruft. Wie bei Erwachsenen hat auch jeder junge Mensch eine ganz eigene persönliche Grenze. Diese Grenze stellt die Privat- und Intimsphäre der Heranwachsenden dar, die es in jedem Fall zu achten und zu wahren gilt. Darüber hinaus möchten die jungen Trainer/innen aber natürlich auch weiterhin für jedes Kind stets ein offenes Ohr haben.

Sexualisierte Gewalt kann jedoch so viel mehr sein als jeder auf den ersten Blick vermuten würde. Bei dem Einen können es schon Berührungen bei Hilfestellungen sein, die durch die Hilfestellenden in der konkreten Situation gar nicht als sexuelle Handlung wahrgenommen werden. Nicht nur durch den bloßen sexuellen Übergriff als solchen können bei einem Kind unangenehme Gefühle geweckt werden, sondern auch durch unbewusstes Überschreiten von persönlichen Grenzen.

Genau aus diesem Grund hat der THC am vergangenen Samstag eine dreistündige Lehrveranstaltung für alle Übungsleiter/innen zur Pflicht gemacht. „Wir wollen Kinder- und Jugendschutz nicht nur auf dem Papier, wir wollen ihn umsetzen und in das Bewusstsein all unserer Verantwortlichen bringen“, so der erste Vorsitzende des THC Westerkappeln, Sarioscha Butzke. Und genau das hat Anne Hölscher vom Kreissportbund am Samstag geschafft. In der dreistündigen Lehrveranstaltung hat sie nicht nur über Straftaten gesprochen, der Fokus lag vielmehr auf der sogenannten Grenzüberschreitung, auf denjenigen Handlungen, die nicht zwangsläufig strafbar oder bewusst ausgeführt werden, aber dennoch für Einzelne eine solche Grenzüberschreitung sein können. Alle Übungsleiter mussten sich in interaktiven Aufgaben hinterfragen, den Verein analysieren, Risiken beleuchten und vor allem diese Risiken ausschließen. „Es wurde viel beleuchtet was ich persönlich gar nicht auf dem Schirm hatte“, so Butzke weiter. „Auch wir im Vorstand haben viel mit auf den Weg bekommen. Besonders im Kinder- und Jugendschutz darf es keinen Stillstand geben, dieser muss kontinuierlich verbessert werden“. So hat sich auch der Vorstand einige Hausaufgaben mit nach Hause genommen. Insbesondere wurde die fehlende Geschlechtereinteilung der Umkleidekabinen in den Westerkappelner Sporthallen kritisiert. Der THC möchte in naher Zukunft diese Mängel mit der Gemeinde besprechen und um eine schnelle Lösung bitten. Auch ein Kinderschutzkonzept und einen Handlungsleitfaden gegen Grenzüberschreitungen wolle man im Vorstand erarbeiten.

Alles in allem, so die Verantwortlichen, sei es eine gelungene Veranstaltung gewesen. Jede/r Teilnehmer/in hat viel gelernt, konnte eigenes Verhalten analysieren und Ansätze für das eigene Training mitnehmen. Denn sexualisierte Gewalt kann auch untereinander entstehen. Auch zwischen Team- oder Vereinsmitgliedern gibt es Risiken für körperliche und verbale sexualisierte Gewalt. Gerade hier können Aufklärung und Handlungsleitfäden viel helfen. Dieser Verantwortung ist der THC Westerkappeln sich bewusst und wird auch in der Zukunft alles für einen umfassenden Schutz der Heranwachsenden unternehmen.

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