Die Solidarität  für die Straßenmädchen aus Malawi steht ihnen ab sofort aufs Trikot geschrieben (von links): Sylke Grote und Anja Hirschmann vom Osnabrücker Hilfsverein „Magi“ (Malawian Girls), Trainer Manuel Sporleder (dahinter), die zwölf Handballerinnen des TuS Bramsche sowie THC-Trainerin Frauke Helmich (ganz rechts). Foto: Ulrike HavermeyerDas ist mal eine bemerkenswerte Trikotwerbung: Sechs Mädchen aus Westerkappeln und sechs aus Bramsche bilden zusammen das erfolgreiche Handballteam der weiblichen B-Jugend des TuS Bramsche. Sie haben sich mit zehn ehemaligen Straßenmädchen aus dem südostafrikanischen Malawi solidarisiert.

Mal geht es von Norden nach Süden. Mal umgekehrt. Sechs Mädchen aus Westerkappeln und sechs aus Bramsche bilden zusammen das erfolgreiche Handballteam der weiblichen B-Jugend des TuS Bramsche. Die Trennlinie zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu überschreiten ist dabei kein Hindernis. Gemeinsam überwinden die sportlichen Zwölf mit ihren Trainern Frauke Helmich und Manuel Sporleder jetzt noch ganz andere Grenzen: Sie haben sich mit zehn ehemaligen Straßenmädchen aus dem südostafrikanischen Malawi solidarisiert.

Um auf das Schicksal der Mädchen in Afrika aufmerksam zu machen, tragen die Handballerinnen aus Westerkappeln und Bramsche ab sofort das farbenfrohe Logo des mehrfach ausgezeichneten Osnabrücker Hilfsvereins „Magi“ (Malawian Girls) auf ihren Aufwärmtrikots.

Ein vor Energie strotzendes Blau. Rabenschwarze Kringellocken und ein sonnengelber Pferdeschwanz über zwei lächelnden Gesichtern. Mittendrin ein sattrotes Herz. Das Logo des Vereins ist schwerlich zu übersehen und dürfte für Gesprächsstoff unter den Jugendlichen, ihren Freunden und Eltern sorgen – vielleicht sogar über die Grenzen des TuS Bramsche und des THC Westerkappeln hinaus.

„Das wäre toll, wenn auf diesem Wege noch mehr Menschen unser Projekt kennen lernen“, sagt Anja Hirschmann. Die Vereinsgründerin und Vorsitzende war mit ihrer Vorstandskollegin Sylke Grote zum Handballtraining in die Westerkappelner Dreifachsporthalle gekommen, um die T-Shirts zu übergeben und sich noch einmal bei den Mädchen für deren Unterstützung zu bedanken.

Vor drei Jahren ist Anja Hirschmann das erste Mal in Malawi gewesen. „Im Unterricht an unserer Grundschule in Osnabrück-Atter stand das Thema Entwicklungsländer an – da wollte ich mir einen authentischen Eindruck verschaffen“, berichtet die engagierte Lehrerin. Sie nutzte die Gelegenheit, ein afrikanisches Hilfsprojekt, das sich vor Ort um verwahrloste Kinder kümmerte, zu besuchen.

Doch irgendetwas irritierte sie – und mit westeuropäischem Pädagogenblick erkundigte sie sich, wo denn neben den 160 Jungen, die dort herum sprangen, die Mädchen seien? – „In the prostitution“, habe die schlichte Antwort gelautet. „In vielen Teilen Afrikas“, sagt Anja Hirschmann heute ernüchtert, „stellen Mädchen keinerlei Wert für ihre Familie dar – sie sind ihr vollkommen egal.“

Wieder in Deutschland, gründete die Grundschullehrerin den Verein „Magi“ (Malawian Girls) – einer der wenigen Vereine bisher, der sich ausschließlich um afrikanische Mädchen kümmert und der es sich zum Ziel gesetzt hat, zumindest einige Mädchen in Malawi von der Straße zu holen und ihnen dabei zu helfen, später als erwachsene Frauen ein selbständiges Leben zu führen.

Anja Hirschmann: „Aus Spendengeldern konnten wir 2011 unser Magi-Haus eröffnen, in dem nun unsere zehn Mädchen leben.“ Sie werden dort von der einheimischen Ordensschwester Ruth und ihrem Team betreut, erhalten therapeutische Hilfe, gehen zur Schule und erlernen außerdem den Anbau von Obst, Gemüse und Getreide im eigenen Garten sowie die Viehzucht.

„Das ist ein wichtiger Schritt in die Unabhängigkeit“, erläutert Sylke Grote. „Vor kurzem haben wir die ersten Hühner anschaffen können.“

Dass die zehn afrikanischen „Magis“ von der Solidarität der Handballmädchen aus Bramsche und Westerkappelnen erfahren, dafür sorgt Vereinsgründerin Hirschmann persönlich: Unterwww.magi-ev.debetreibt sie einen Blog, in dem Besucher jede Menge über die aktuellen Aktivitäten des Vereins, über das Leben im Magi-Haus und den Alltag sowie die Schwierigkeiten und Fortschritte seiner Bewohnerinnen erfahren.

„Ich chatte eigentlich jeden Abend mit Sister Ruth und den Mädchen, um über alles auf dem Laufenden gehalten zu werden und schnell reagieren zu können.“ Anja Hirschmann schwört auf den direkten Kontakt und fliegt deshalb auch regelmäßig zu ihren Schützlingen nach Afrika. Auf eigene Kosten, wie sie betont.

Die Spendengelder, versichert sie, landen zu hundert Prozent bei den Mädchen. Der Verwaltungsaufwand wird über die Mitgliederbeiträge gedeckt. Einmalige Ausgaben – wie beispielsweise die Trikots für die Handballmädchen – basieren auf privaten Sponsoren. Im Falle der T-Shirts haben Sylke Grote und der TuS Bramsche ihre Portemonnaies gezückt.

Anja Hirschmanns jüngster Besuch in Malawi liegt erst wenige Wochen zurück – und ihre Augen leuchten, wenn sie von ihren zehn Mädchen erzählt, und davon, wie sie immer selbstbewusster werden. Wer sich über das Hilfsprojekt erkundigen oder spenden möchte, findet sämtliche Informationen im Internet unter www.magi-ev.de.

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