Aktiv von der Seitenlinie

Trotz mehrerer Mannschaften bewahrt Reiner Klenner immer den Durchblick. Seine Spielerinnen schätzen vor allem seine hohe soziale Kompetenz. (Foto: Björn Meyer)Am Wochenende spielt Reiner Klenner Handball ? oder vielmehr: Er würde gerne Handball spielen. Oft aber kommt ihm was dazwischen. Und zwar ? der Handball. Seit 26 Jahren ist der 44-Jährige Mitglied beim THC Westerkappeln. Seitdem ist er als Spieler aktiv. Doch nur wenige Jahre nach seinem Beitritt begann er sich für die Aufgaben eines Trainers zu interessieren. Mit Anfang 20 machte er erste Gehversuche als Co-Trainer der weiblichen Jugend. Mit 23 Jahren übernahm er die männliche A-Jugend des Vereins und machte eine wichtige Erfahrung. ?Ich kam nicht zurecht. Ich war wohl zu jung. Die Jungs tanzten mir auf der Nase rum?, erinnert sich Klenner heute.

Aus dem Fehlschlag zog er die Konsequenzen und wechselte wieder in den weiblichen Handballbereich. Einige Jahre später übernahm Klenner die Damenmannschaft ? diesmal mit Erfolg. Zwei Aufstiege verzeichnete die Mannschaft unter seiner Leitung. Erst als er das Gefühl hatte, sich als Damentrainer abzunutzen, wechselte er wieder in den Jugendbereich. Die ehemalige D-Jugend begleitet er nun schon mehrere Jahre. Mittlerweile ist aus den Handball-Anfängerinnen eine schlagkräftige B-Jugend geworden, die in ihrer Liga um die Meisterschaft spielt. ?Dafür müssen wir den Dauerkonkurrenten Bissendorf schlagen?, stellt Klenner fest und ist in diesem Moment ganz Trainer. Doch es ist mittlerweile nicht mehr nur die Jugend, die Klenner beim THC betreut. Auch die Damenmannschaft hat er wieder übernommen und nach deren zwischenzeitlichen Abstieg die Truppe wieder auf Vordermann gebracht. Im vergangenen Jahr stieg man gemeinsam in die Regionsoberliga auf. ?Wir sind sehr froh, dass er uns übernommen hat und uns aus unserem Loch herausgeführt hat?, sagt Jessica Mack, eine seiner Spielerinnen in der Damenmannschaft. Als Trainer ist er ein ruhiger Typ, der nicht nur zielstrebig seinen eigenen Weg verfolgt, sondern versucht, sich immer bestmöglich auf seine Mannschaft einzustellen. Mehr noch als seine reinen Fähigkeiten als Coach, schätzen seine Spielerinnen seine menschliche Art. ?Man kann mit allem zu ihm kommen. Er hilft immer?, sagt Mack. Auch Klenner selbst sieht dies als sein Erfolgsgeheimnis: ?Ich bin immer offen. Das ist meine Art und das zahlt sich aus?, sagt Klenner.

Beim THC ist Klenner aus dem Trainingsbetrieb kaum wegzudenken, daher rückt seine eigene Karriere als Spieler auch immer mehr in den Hintergrund. ?Ich versuche aber schon noch regelmäßig bei der 3. Mannschaft aufzulaufen?, lächelt Klenner. Doch allzu viel Zeit bleibt ihm nicht. Denn einen Vorstandsposten hält Klenner seit einigen Jahren ebenfalls inne. Nicht einen dieser repräsentativen Posten, das wäre nichts für ihn. Klenners Amt wurde vom Vorstand als Ballwart betitelt. ?Ich hab da mal ein paar Bälle bestellt?, schmunzelt Klenner. Eigentlich ist er aber für den vor Jahren in der Halle eingerichteten Clubraum verantwortlich. Etwa, dass immer genug Getränke da sind. ?Das ist gar nicht so viel Arbeit?, wiegelt Klenner ab, auch wenn er weiß, dass er eben Woche für Woche nach dem Rechten schauen muss. Bei Heimspielen ist der Clubraum des THC in der Halle immer geöffnet. Für den Thekendienst sind die Mannschaften verantwortlich. Wenn die mal nicht können, steht meist eine Frau hinter der Theke. Es ist Karin Klenner, Ehefrau und Mutter zweier gemeinsamer Kinder. Tochter Jennifer spielt unter ihrem Vater in der weiblichen B-Jugend. Sohn Dennis spielt, wenn wundert es, ebenfalls Handball beim THC. In der D-Jugend läuft er auf. Bei Klenners ist Handball eben ein Familienprojekt. Der einzige Grund, warum Reiner Klenner einen Großteil seiner Freizeit mittlerweile dem Verein zur Verfügung stellt, ist das aber nicht. ?Mir gefällt es, dass wir, obwohl wir nur ein kleiner Verein sind, uns gegenseitig immer helfen. Diese Teamarbeit, die macht besonders viel Spaß.?

Wenn er an seine Mannschaften und sein Traineramt denkt, wird in Klenner dagegen wieder der Wettkampfsportler geweckt: ?Wir hatten in den letzten Jahren viele Erfolge. Das reizt natürlich besonders.? Einen besonderen Moment? Nein, sagt er, den gäbe es nicht und stellt klar: ?Eigentlich macht es mir zu jeder Zeit Spaß, da kann ich nichts herausstellen.?

Nur manchmal, da ärgert er sich. Vor allem über seine Damenmannschaft. ?Die sind noch zu lieb?, erklärt er und muss selber lächeln, als er sagt: ?Das werde ich denen noch austreiben.? Wie eine echte Drohung hört sich das nicht an. Klenner ist ein ruhiger, sanfter Typ, der gerne hilft und mittlerweile zu selten selber Handball spielt.
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