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?Das ist der Super-Gau?

Der THC, hier mit Manuel Schröer (am Ball) und Timo Halstenberg (zweiter von rechts) mühte sich nach Kräften, musste sich aber 23:27 geschlagen geben.Foto: (Sonja Möller) Der Selbstzweifel ist ein äußerst unangenehmer Geselle. Tückisch schleicht er sich an, ohne dass der Betroffene etwas davon merkt. Dann greift er hinterrücks zu - ohne Vorwarnung: ?Es hat ja eh keinen Sinn?, schießt es dem Infizierten durch den Kopf.
Opfer dieser unangenehmen Emotion ist am Samstag der THC Westerkappeln geworden. Die Handballer von Coach Holger Helmich reisten da zum TV Cloppenburg, um ihr letztes Saisonspiel zu bestreiten und mussten sich letztlich mit 23:27 (10:14) geschlagen geben.
Mehrfach in dieser Spielzeit gab es Rückschläge für den THC. Besonders schwer wog die Verletztenmisere zu Beginn. Doch die Helmich-Mannen gaben nicht auf und stellten sich guten Mutes jedem Gegner. Niederlagen hakten sie ab. Selbst nach der Sperre von Jan-Nicolas Pötter (Ausschluss, wir berichteten) packte sie der Kampfgeist: ?Jetzt erst recht?, war die Parole. Doch dann verloren sie unglücklich mit einem Tor Unterschied gegen den TuS BW Lohne. Und da keimte in manch einem schon der erste Zweifel.

Am Samstag mussten die Gäste dann neben Jan-Nicolas Pötter auch auf Tobias Coquette (verletzt) und Christoph Giese (krank) verzichten. Noch dazu ging es gegen den TV Cloppenburg, bei dem sie im vergangenen Jahr eine derbe Klatsche kassiert hatten. Die Gastgeber präsentierten sich körperlich robust und hochmotiviert. Doch der THC erwischte einen guten Start: ?In der ersten Halbzeit sind wir eigentlich gut klar gekommen?, war THC-Coach Holger Helmich da noch zufrieden. Die Gäste erkämpften sich nach einem 2:4 den 5:5-Ausgleich (10.). Es ging hin und her. In der 22. Minute führte der THC sogar mit 9:8. Dann legten die Cloppenburger nach und machten klar, dass hier nichts zu holen war. Fünf Tore in Folge führten zum ersten Knacks bei den Helmich-Mannen. Die Selbstzweifel wurden stärker und begleiteten die Gäste beim Stand von 10:14 in die Kabine.

Nach dem Seitenwechsel legten die Hausherren abermals zu. Die Westerkappelner hielten zwar dagegen, aber mit zunehmender Dauer des Spiels bekamen sie Probleme. ?Wir hatten zu keiner Zeit die Chance, das Spiel zu drehen?, war dem THC-Coach da schon klar.

Die Cloppenburger gingen wie selbstverständlich mit fünf Toren 19:14 (40.) und 22:17 (45.) in Führung. Dabei verhinderte THC-Schlussmann Jens Barlag einen deutlicheren Rückstand. Er parierte etliche hundertprozentige Tempogegenstöße, Würfe vom Kreis und aus dem Rückraum. Barlag war das fast unüberwindbare Hindernis. ?Das Ergebnis wäre sonst deutlicher ausgefallen?, erkennt Helmich die starke Leistung seines Torwarts an.

Sein Team spielte passabel mit und kam sogar auf 20:23 (50.) heran. Zwei Minuten danach stand es aber wieder 26:21 für die Gastgeber. ?Die haben uns klar gemacht, dass sie uns nicht abschießen, aber den Sieg auch nicht hergeben?, fasste der THC-Trainer zusammen.

Jan-Marten Schulte machte ein ordentliches Spiel aus dem Rückraum, ebenso wie Henning ten Brink. Nicolas Bollmann zeigte gute Szenen vom Kreis und Fabian Praus, mit sieben Toren bester THC-Schütze, verwandelte die Siebenmeter eiskalt.

Doch ihrem Trainer konnten die Spieler nichts vormachen: ?Alles plätscherte so dahin. Das letzte Aufbäumen war nicht zu erkennen.? Der Glaube an sich selbst war weg. Stattdessen waren die Gäste fast überrascht, dass die erste Halbzeit so gut gelaufen ist.

Besonders bitter: Bei einem Sieg hätten die Westerkappelner einen Platz gutmachen können. Damit wären sie sicher in der Landesklasse Süd geblieben. Jetzt müssen ten Brink und Co. weiter zittern. ?Der Supergau ist eingetreten. Zwei Mannschaften aus der Landesliga steigen in unsere Klasse ab. Damit ist es möglich, dass vier von uns runter müssen?, erläuterte Helmich. Keine schöne Aussicht. Ende der Woche rechnet er mit der Entscheidung. Danach kann der THC sich dann die Wunden lecken.

Tore: Schröer (2), Bollmann (2), ten Brink (6), Schulte (4), Praus (7), Rieger (2).
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