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„Plötzlich brechen alle Dämme . . .“

Jan Marten Schulte setzte sich am Kreis zweimal erfolgreich durch. (Foto: Sonja Möller) „Sind wir doof !“ Kopfschüttelnd marschierte THC-Spieler Ron Twiehaus am Samstagabend in die Kabine. Dessen Trainer Holger Helmich durchquerte minutenlang in sich versunken die Hagener Sporthalle, während seine Handballer mit hängenden Köpfen abzogen. Echte Freude kam nach dem 23:23 (11:11) und dem ersten Auswärtspunkt der Saison beim heimischen Vertreter der Landesklasse Weser Ems nun wirklich nicht auf.

„Man muss den Eindruck bekommen, dass wir nicht gewinnen wollen“, schlussfolgerte Helmich mit einem leicht sarkastischen Unterton. Der Grund: In der 55. Minute führte der THC Westerkappeln souverän gegen die Spielvereinigung Niedermark mit 23:17. Der erste Auswärtssieg war greifbar nahe. Die Führung ein sicherer Puffer.

Und was machten die THCler? Ihnen flatterten plötzlich die Nerven, sie verloren die Ordnung und in Deckung und Angriff lief nichts mehr. Schwuppdiwupp hatten die Gastgeber sechs Dinger versenkt. „Das ist nicht auszuhalten. Wir waren in der zweiten Halbzeit der klare Sieger, und lassen uns am Ende die Butter vom Brot nehmen“, verstand Helmich die Welt nicht mehr.

In dieser Szene erzielt Manuel Schröer einen seiner fünf Treffer. Zum ersten Auswärtssieg reichte es dennoch nicht. (Foto: Sonja Möller)Die enge Partie war von Beginn an hart umkämpft. Die Niedermarker gingen robust zur Sache und kassierten in der Anfangsviertelstunde fünf Siebenmeter, von denen Manuel Schröer vier souverän verwandelte. Gezielte Körpertäuschungen brachten den THC immer wieder aussichtsreich vor das gegnerische Gehäuse.

Jan Nicolas Pötter setzte seine enorme Präsenz auf dem Feld gekonnt ein und war für den Gegner stets gefährlich. In der zweiten Halbzeit musste der 18-Jährige auf der von ihm ungeliebten rechten Rückraumposition auflaufen. „Jan Nicolas hat sich darauf eingelassen und von dort noch drei Tore erzielt“, lobte Helmich dessen Engagement. Dann wurde Pötter aber ganz eng gedeckt und war nicht mehr anspielbar.

Die mannschaftliche Geschlossenheit war beim THC da: Jeder kämpfte für jeden. Timo Halstenberg (3 Tore) flitzte bei Tempogegenstößen quer durch die Halle, kam über Rechtsaußen oder suchte sich seinen Weg bis an den Kreis. Die Helmich-Mannen wurden immer selbstbewusster und nutzten die Schwächephase des Gegners zu schnellen Toren.

In der 52. Minute dann der Schock: Nicolas Bollmann geriet in die Schusslinie von Henning ten Brink und der Ball prallte aus kurzer Distanz gegen sein Gesicht. Der THC-Spieler blieb benommen liegen. Zudem musste Kreisläufer Jan Marten Schulte nach einem Schlag auf die Leber und Henning ten Brink mit einer Kieferverletzung ausgewechselt werden. Tim Rattay und Florian Finke fehlten sowieso.

„Das war aber nicht entscheidend. Wir sind nervös geworden, haben die Ordnung verloren“, wusste Helmich. Dabei war im Timeout beschlossen worden, dass die erfahrenen Spieler in die Deckung gehen und Freiwürfe ziehen. „Und plötzlich brechen alle Dämme.“

Für den THC ist zwar noch nichts verloren. „Wir haben uns gut weiterentwickelt und noch 13 Spiele vor uns“, weiß Helmich. Nur müssen langsam die Punkte her. Am Samstag hat der THC dazu wieder Gelegenheit: Dann kommt der Tabellendritte TV Cloppenburg II.

Tore: Pötter (6), Schröer (5), Halstenberg (3), H. ten Brink (3), Coquette (2), Schulte (2), J. ten Brink (1), Bollmann (1).

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